|
|
Gravenhurst
Gleis 22, 23.02.06
Erstaunlich voll war es im Gleis. Gravenhurst scheinen kein kleiner Geheimtipp mehr zu sein, vor allem, wenn man den bunten Mix des Publikums betrachtet. Vom Indie-Schluffer über den Alt-Rocker/Popper zum Skater-Gör war alles vertreten, und das in einem Ausmaße von ca. 250 Besuchern. Und jeder wurde auf seine Weise befriedigt, das konnte man am grandiosen Applaus ohne Zweifel ausmachen.
Psychedelischer Krautrock in seiner reinsten Form war das, was die drei Engländer um Multi-Instrumentalist Nick Talbot auf der Bühne vollführt haben. „Black Holes In The Sand“ wirbelte wie ein Wüstensturm ums Gehirn, brillant, mit glasklarem Sound, und ließ den Zuhörer schon vom ersten Moment an mit geöffnetem Mund zurück. Von Beginn an war es schon geschehen, Gravenhurst hatten sich das Publikum zu Eigen gemacht. Staccato-Takte wie in „The Velvet Cell“ schlugen das Bewusstsein wie einen Punching-Ball rechts und links, lange Keyboard-Sounds in „Cities Beneath The Sea“ ließen es auspendeln, aufgetürmte Gitarren-Passagen in „Down River“, mit einer unbändigen Lebendigkeit gespielt, rissen wach aus der versunkenen Melancholie und Trübseeligkeit, die den Soundgebilden innewohnt. Experimentelle Urgewalt haust in Gravenhurst, wenn sie live spielen, Spielwütigkeit. Die drei auf der Bühne bilden eine Einheit, die in sich geschlossen jeden in seinen Bann reißen kann und will. Nick Talbot hat lange gebraucht, bis er seine Vorstellung von Musik umsetzen konnte, wie er wollte, mit dem Drummer David Collingwood hat er seinesgleichen gefunden, und nun reißen sie erbarmungslos jeden mit sich, der sich auf die Mind-Killer Musik einlässt. Lauter, nicht enden wollender Applaus bestätigten dies nach einem Hauptset, das eine gute Stunde ging und das komplette aktuelle Album beinhaltete. Die Zugaben bestritt Talbot alleine, 2x musste er zurückkommen. Live sind Gravenhurst der beste Soundtrack im transzendenten Delirium. Das einzige Manko des Abends lag nicht bei ihnen, sondern eher daran, dass im Gleis 22 leider nur statisches Licht vorhanden ist. Aber der Großteil der Besucher spielte wohl eh ihren eigenen Film im Kopf ab, es hat der Stimmung keinen Abbruch getan.
Bilder-->
The Masterbrain
|
|